Calibans Insel

ein Theaterstück nach Motiven aus ‚Der Sturm‘ von William Shakespeare

Calibans Insel ::: von Sinnen 2 ( 2009)

Die Geschichte: Der Magier Prospero wurde auf Calibans Insel verbannt und unterdrückt dort alle freien Geister. Als sich ein Schiff nähert, entwickelt er einen Plan. Er sieht eine Möglichkeit, zu entkommen, indem er die Besatzung auf die Insel lockt. Dort entbrennt ein spannender Kampf der unterschiedlichen Mächte…
TiG erzählt die Geschichte mit grossen Bildern, starken Farben und die Sinne verwirrenden Projektionen. So wie die Videobilder auf der Bühne durch Aktionen vor der Camera entstehen, wird auch die Musik von den Performern live gespielt.
„Calibans Insel“ ist der zweite Teil einer Trilogie über die Wahrnehmung. Nachdem TiG 2008 eine konzentrierte Auseinandersetzung mit dem Hören inszeniert hat, geht es nun darum, was das Sehen für die Orientierung, für das Verstehen der Umgebung und für die Kommunikation bedeutet. TiG nimmt Bilder aus Shakespeares Stück „Der Sturm“ zum Anlass, sich damit zu beschäftigen, wie das Sehen uns dabei hilft, uns zu orientieren, die Umgebung zu begreifen und wie manipulierte Bilder uns in die Irre führen können. Zwei wichtige Figuren in diesem visuellen Verwirrspiel sind der Luftgeist Ariel und der Magier Prospero, in dessen Büchern alles Wissen über die Wahrnehmung gespeichert ist, und darüber, wie man die Dinge so ändern kann, dass die Menschen sie als etwas vollkommen anderes begreifen. Das Stück führt die Zuschauer durch die Labyrinthe des Dschungels auf Calibans Insel, hinein ins Zentrum von Prosperos Bibliothek, wo die schöne Miranda darauf hofft, an andere Strände entführt zu werden.
Calibans Insel beschäftigt sich mit dem Sehen. Das Sehen bestimmt in hohem Mass unser Bild von der Welt, die uns umgibt. Dabei sind Sehen und Erinnern eng miteinander verbunden. Erst im Wieder-Erkennen findet eine Orientierung statt, kann der Mensch das Gesehene überhaupt einordnen. Sehen und Erkennen sind also an Lernprozesse gebunden, die durch häufige Wiederholungen gefestigt werden. Das Verstehen der Umgebung hängt mit dem Entdecken bekannter Bildmuster zusammen, die mit Hilfe der Erinnerung zu einem neuen Element kombiniert und dann gespeichert werden. Auf diese Weise entsteht ein komplexes System, das regelmässig erweitert und den jeweils neuen Situationen angepasst wird. Unsere Gesellschaft ist in hohem Masse visuell ausgerichtet. Sprachlich macht sich dies bemerkbar in der übertragenen Bedeutung von Begriffen wie „Perspektive“, „Vision“ oder „Sichtweise“, man spricht über „finstere Burschen“ oder „Lichtgestalten“. Veränderte Perspektiven, neue Sichtweisen bedeuten eine Weiterentwicklung des Denkens, der Wahrnehmung. Etwas neu Entdecktes wird also wahrgenommen, das heisst als wirklich angenommen. Ein zentrales Element der Theaterarbeit bei TiG ist der Einsatz von Video auf der Bühne. Für das Thema Sehen bekommt dieses Stilmittel eine erweiterte Bedeutung. Die Gruppe arbeitet mit live-Cameras auf der Bühne, Durch die Verschiebung von Perspektiven, die Manipulation von Bildern durch Aktionen im Raum, wird die Wahrnehmung irritiert und neue Sehweisen bekannter Zusammenhänge entstehen.

Regie: Elke Utermöhlen, Martin Slawig
Assistenz: Kristen Sonnenberg

Die PerformerInnen: Gisela Schulze, Jacqueline Harborth, Magdalene Wrede, Arno Thoms, Francesco Zanotti, Frank Dettmer, Frank Harborth, Reinhard Dittrich
Produktion 2009, Premiere 27.9.2009 beim Theaterfestival Theater-Outlet in Braunschweig
gefördert von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und Aktion Mensch

 

Fotos: Uwe Brodmann